Musiktherapie
und
Neue Medien
Wie Computer und Internet das therapeutische Arbeitsfeld verändern
Dieter Brechtel-Folkers
Oktober 2000
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Der Mensch wirkt nur in dritter Linie durch das, was er sagt, in zweiter Linie durch das, was er tut, und in erster Linie durch sein Sein.
frei nach Romano Guardini
Einleitung
Internet
Geschichte des Internet
InformationsplattformenDas World Wide Web / Datenbanken
AustauschplattformenE-Mail / Newsgroups / Mailinglists / Chat / Online-Therapie
Kritische Auseinandersetzung mit dem Internet Das Medium / Hyperlinks - Segen und Fluch des Internet / Internetsucht und Identitätsveränderungen im Netz
Computeranwendungen
Geschichte der Künstlichen Intelligenz (KI)
ComputerpsychotherapeutenELIZA und Nachfolger / Mögliche Anwendungen auf den musiktherapeutischen Bereich
Kritik und Diskussion Der Taschenrechner-Effekt: Wie neue Techniken unser Denken beinflussen / Die Beschaffenheit von Computerprogrammen und die Macht der Nullen und Einsen / Computerprogramme versus therapeutische Beziehung
Zusammenfassung
Literaturverzeichnis

Zusammenfassung
We may learn from this that it is a mistake to suppose that any technological innovation has one-sided effect. Every technology is both a burden and a blessing; not either-or, but this-and-that.

(Postman 1993, S.4f)

Technology imperiously commandeers our most important terminology. It redefines 'freedom', 'truth', 'intelligence', 'fact', 'wisdom', 'memory', 'history' - all the words we live by.

(Postman 1993, S.8f)

Ausgehend von dem Begriff der Neuen Medien habe ich die vorliegende Arbeit in zwei große Abschnitte aufgeteilt, die einmal das Massenkommunikationsmedium Internet und zum anderen den Einsatz von Computerpsychotherapeuten und deren Möglichkeiten und Auswirkungen auf das psycho- und musikpsychotherapeutische Arbeitsfeld behandeln. Der Arbeit liegt die Überzeugung zugrunde, "daß der Computer eine mächtige, neue Metapher ist, mit der wir viele Aspekte der Welt leichter verstehen können, der jedoch ein Denken versklavt, das auf keine anderen Metaphern und wenig andere Hilfsmittel zurückgreifen kann" (Weizenbaum S.361). Deshalb wurden grundlegende Wirkungsweisen in Verbindung mit Neuen Medien beleuchtet. Während dies im Falle des Internet zu einer Bewusstmachung und zu verändertem Umgang mit dem Medium anregt, führten die Auswirkungen auf dem Gebiet des Einsatzes von Computerprogrammen in der Psychotherapie zu wesentlich schärferer Kritik und der klaren Ablehnung dieser Arbeitsmöglichkeit. Hier greift die Überzeugung, dass das Wechselspiel der Computermetapher mit den Humanwissenschaften zu einer reduzierten Sicht des Menschen führt, wie Turkle es beschreibt: "Die Informatik benutzt biologische Begriffe, und die Humanbiologie befaßt sich mit der Dechiffrierung eines Codes. Mit Beschreibungen des Gehirns, die ausdrücklich Parallelen zu Computern ziehen, und Bildern von Computern, die ausdrücklich auf das Gehirn verweisen, haben wir einen kulturellen Wendepunkt erreicht. Die Neubestimmung der Identität von Mensch und Maschine wird nicht nur von Philosophen betrieben, sondern vollzieht sich 'an der Basis' durch eine Alltagsphilosophie, die bis zu einem gewissen Grad von der Präsenz des Computers angestoßen und getragen wird" (Turkle S.37). Auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene steuern wir "auf eine Kultur der Simulation zu, in der die Menschen immer mehr Gefallen daran finden, das Reale durch Repräsentation der Wirklichkeit zu ersetzen." (Turkle S.33) Meiner Ansicht nach laufen wir dabei Gefahr, vieles zu verlieren, was das Verhältnis unter den Menschen lieb und wertvoll machen kann.

Ich habe die Angebote der musiktherapeutischen Verbände und Institute im Internet dargelegt und festgestellt, dass im interaktiven Bereich der Chats, Newsgroups und Mailinglists noch wesentlich mehr Potential steckt, als es bisher umgesetzt wird. Doch auch hier gilt, nicht blind auf das Neue Medium zuzugehen, indem leer bleibende Formen des Austauschs geschaffen werden ohne, dass das Bedürfnis dazu besteht.

Der Glaube an die, wie ich zu zeigen versuchte, übergroße Bedeutung und Macht des Computers für die sich durch ihn wandelnde Gesellschaft, sollte uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass man mit ihm nicht alles machen kann. Und so möchte ich mit einem letzten Zitat Joseph Weizenbaums schließen:

"Im Grunde genommen geht es darum [...], daß es menschliche Funktionen gibt, die nicht durch Computer ersetzt werden sollten. Es handelt sich nicht darum, was man mit Computern alles machen kann und was nicht. Respekt, Verständnis und Liebe sind keine Probleme, die mit Technik zu tun haben."
(Weizenbaum S.352)

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