Zusammenfassung
We may learn from this that it is a mistake to suppose
that any technological innovation has one-sided effect. Every technology
is both a burden and a blessing; not either-or, but this-and-that.
(Postman 1993, S.4f)
Technology imperiously commandeers our most important terminology.
It redefines 'freedom', 'truth', 'intelligence', 'fact', 'wisdom', 'memory',
'history' - all the words we live by.
(Postman 1993, S.8f)
Ausgehend von dem Begriff der Neuen Medien habe ich die vorliegende Arbeit
in zwei große Abschnitte aufgeteilt, die einmal das Massenkommunikationsmedium
Internet und zum anderen den Einsatz von Computerpsychotherapeuten und
deren Möglichkeiten und Auswirkungen auf das psycho- und musikpsychotherapeutische
Arbeitsfeld behandeln. Der Arbeit liegt die Überzeugung zugrunde,
"daß der Computer eine mächtige, neue Metapher ist, mit der
wir viele Aspekte der Welt leichter verstehen können, der jedoch ein
Denken versklavt, das auf keine anderen Metaphern und wenig andere Hilfsmittel
zurückgreifen kann" (Weizenbaum S.361). Deshalb wurden grundlegende
Wirkungsweisen in Verbindung mit Neuen Medien beleuchtet. Während
dies im Falle des Internet zu einer Bewusstmachung und zu verändertem
Umgang mit dem Medium anregt, führten die Auswirkungen auf dem Gebiet
des Einsatzes von Computerprogrammen in der Psychotherapie zu wesentlich
schärferer Kritik und der klaren Ablehnung dieser Arbeitsmöglichkeit.
Hier greift die Überzeugung, dass das Wechselspiel der Computermetapher
mit den Humanwissenschaften zu einer reduzierten Sicht des Menschen führt,
wie Turkle es beschreibt: "Die Informatik benutzt biologische Begriffe,
und die Humanbiologie befaßt sich mit der Dechiffrierung eines Codes.
Mit Beschreibungen des Gehirns, die ausdrücklich Parallelen zu Computern
ziehen, und Bildern von Computern, die ausdrücklich auf das Gehirn
verweisen, haben wir einen kulturellen Wendepunkt erreicht. Die Neubestimmung
der Identität von Mensch und Maschine wird nicht nur von Philosophen
betrieben, sondern vollzieht sich 'an der Basis' durch eine Alltagsphilosophie,
die bis zu einem gewissen Grad von der Präsenz des Computers angestoßen
und getragen wird" (Turkle S.37). Auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene
steuern wir "auf eine Kultur der Simulation zu, in der die Menschen immer
mehr Gefallen daran finden, das Reale durch Repräsentation der Wirklichkeit
zu ersetzen." (Turkle S.33) Meiner Ansicht nach laufen wir dabei Gefahr,
vieles zu verlieren, was das Verhältnis unter den Menschen lieb und
wertvoll machen kann.
Ich habe die Angebote der musiktherapeutischen Verbände und Institute
im Internet dargelegt und festgestellt, dass im interaktiven Bereich der
Chats, Newsgroups und Mailinglists noch wesentlich mehr Potential steckt,
als es bisher umgesetzt wird. Doch auch hier gilt, nicht blind auf das
Neue Medium zuzugehen, indem leer bleibende Formen des Austauschs geschaffen
werden ohne, dass das Bedürfnis dazu besteht.
Der Glaube an die, wie ich zu zeigen versuchte, übergroße
Bedeutung und Macht des Computers für die sich durch ihn wandelnde
Gesellschaft, sollte uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass man
mit ihm nicht alles machen kann. Und so möchte ich mit einem letzten
Zitat Joseph Weizenbaums schließen:
"Im Grunde genommen geht es darum [...], daß es menschliche
Funktionen gibt, die nicht durch Computer ersetzt werden sollten. Es handelt
sich nicht darum, was man mit Computern alles machen kann und was nicht.
Respekt, Verständnis und Liebe sind keine Probleme, die mit Technik
zu tun haben."
(Weizenbaum S.352)