(Turkle S.32)
Zur besseren Unterscheidung der Begrifflichkeiten wird hier mit Internet die Ansammlung aller Dienste bezeichnet, die mittels eines Modems oder einer ISDN-Karte über die Telefonleitung und einen Internetserver (Universität, Fachhochschule oder privater Anbieter) in Anspruch genommen werden kann. Dazu zählen insbesondere die Betrachtung von Seiten im World Wide Web (zumeist http: - Adressen, hypertext transfer protocoll), der Zugang zu Newsgroups über Newsgroups-Server, der Zugriff auf Daten mittels Daten-Servern (ftp: - Adressen, file transfer protocoll), E-Mailing (elektronische Post) mit der Möglichkeit jegliche Art von Dateien per Anhang (attachment) zu versenden und zu empfangen sowie Internet-Telephonieren. Ebenfalls eingeschlossen sind ältere Übertragungsarten wie telnet oder gopher, die aber heute zumeist durch modernere Techniken ersetzt sind und deshalb nicht weiter erläutert werden. Ausdrücklich ausgenommen ist die Datenfernübertragung per FAX, da diese zwar über Modem und Telephonleitung, nicht aber über einen Internetserver läuft. Damit ist auch gesagt, dass das sonst umgangssprachlich oft gleichgesetzte World Wide Web lediglich einen Teil des Internet ausmacht.
Die folgende Graphik gibt einen Überblick der technischen Möglichkeiten
(Internetdienste), mit denen musiktherapeutische Themen im Internet behandelt
werden könnten. Die einzelnen Elemente werden im Weiteren erläutert.

MTH = Musiktherapie
Kommunikationstheoretisch gesehen ist jeder Internetdienst ein Medium
für sich. Postman und McLuhan folgend gehe ich davon aus, dass das
Medium Einfluss nimmt auf die Art der Kommunikation, ja sogar auf den Inhalt
und die Kraft besitzt, Beziehungen und Gewohnheiten zu verändern.
McLuhan geht sogar so weit, zu behaupten, Medien könnten ganze Kulturen
verändern. Tatsächlich scheinen wir uns mit der Ausbreitung der
Internetdienste in einer technikbedingten revolutionären Veränderung
unser Gewohnheiten zu befinden. Warum in seinen Augen "das Medium die Botschaft
ist" (McLuhan S.21) legt McLuhan anschaulich in seinem Buch 'Die magischen
Kanäle' dar: "Denn die 'Botschaft' jedes Mediums oder jeder Technik
ist die Veränderung des Maßstabs, Tempos oder Schemas, die es
der Situation des Menschen bringt" (McLuhan S.22). Seiner Meinung nach
ist der Inhalt unwesentlich. Das mag für seine Untersuchungen so sein.
Für die vorliegende Arbeit möchte ich jedoch auf beides schauen,
auf die Kräfte der Medien und Formen und auf deren Inhalt in Form
von Äußerungen in z.B. Mailinglists und Newsgroups.
Das Internet war von Anfang an dezentral angelegt. Aus Furcht vor der Zerstörung zentraler Computerstationen mit wichtigen Daten entstand es zu Zeiten des Kalten Krieges in den Vereinigten Staaten und startete mit vier vernetzten Rechnern. Der Begriff Internet war damals noch nicht gebräuchlich, der erste militärische Vorläufer war das Netzwerk der Advanced Research Projects Agency, kurz ARPA-Net genannt. Ende der 60er Jahre (übrigens eine Parallele zu dem zweiten Teil der vorliegenden Arbeit, in dem es um die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz geht, die in der selben Zeit einen Aufschwung erlebte) kamen die Impulse zur Fortentwicklung der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) hauptsächlich aus dem militärischen Bereich. Die zu schützenden Daten sollten auf mehrere, lokal voneinander getrennte Großrechner verteilt werden, wobei auf allen Rechnern die selben Daten verfügbar sein sollten. Bei Veränderungen der Daten auf einem der Rechner, sollten die der anderen Stationen binnen kurzer Zeit angeglichen werden können. So entschied man sich für eine Vernetzung aller Systeme. Jeder Rechner sollte auf mehreren Leitungen mit den anderen verbunden sein und sich die jeweils neuesten Daten zusenden können. So würde selbst bei Zerstörung einer Station oder einer Leitung durch einen militärischen Angriff das Gesamtsystem noch funktionieren und die Daten nicht verloren gehen. Da es sich zunächst lediglich um einige wenige Stationen handelte, waren technische Fragen des Übertragungsprotokolls, das im wesentlichen dazu dient, dass die gesendeten Datenbits auf der Empfängerseite wieder richtig zusammengesetzt werden, noch nicht so problematisch wie in den späteren Jahren mit Anwachsen der angeschlossenen Rechnerzahlen und schließlich der Installation des TCP/IP-Protokolls, das sogar Daten zwischen Rechnern mit unterschiedlichen - oder wie man heute häufig sagt - inkompatiblen Betriebssystemen übertragen kann. Bereits 1972 war die Zahl der angeschlossenen Rechner auf 40 angestiegen.
Neben der militärischen Nutzung wurde das neue Netzwerk auch für die Forschung interessant. Man erhoffte sich einen schnelleren Austausch zwischen einzelnen Universitäten. Dabei stand der Aspekt der Datensicherung durch Kopien an einem anderen Ort nicht so sehr im Vordergrund wie die Möglichkeit, die Daten der entfernten Universität einzusehen und im Gegenzug die eigenen zugänglich zu machen. Aufgrund der offenen Struktur des ARPA-Net war der technische Anschluss kein Problem, das erste Netz wuchs weiter, angetrieben von der National Science Foundation, und die oben angesprochene Problematik der uneinheitlichen Betriebssysteme wurde brisant.
Inzwischen gab es auch die ersten transatlantischen Verbindungen. 1983 schließlich spaltete sich der militärische und ursprüngliche Teil ab und wurde zum MILNET. Der Sicherheitsaspekt, der zuerst zu einer offeneren, dezentralen Form geführt hatte, verlangte nun, nachdem das Netz zu offen und unkontrollierbar wurde, nach einer geschlosseneren Form. Ähnliche Entwicklungen gibt es auch heute in Verbindung mit der Frage der Datensicherheit und ihrem Schutz vor unerlaubten Zugriffen durch Dritte. Man reagiert darauf einerseits mit Sicherheitsbereichen innerhalb des Netzes, wobei die gesendeten Daten verschlüsselt werden, und zum anderen mit einem komplett neuen Netz, d.h. neu verlegten Leitungen, dem sogenannten Internet2, das außerdem schneller ist und auf dem Forschungssektor, also wieder zwischen Hochschulen und Universitäten installiert wurde. (vgl. Deutsches Forschungsnetz unter www.dfn.de).
Doch wie immer sich neue Medien einführen, sie scheinen vor dem Unterhaltungsbereich nicht gefeit zu sein. So entstand das USENET aus den privaten Belangen der inzwischen zahlreich angeschlossenen Studenten und anderen Privatpersonen, die per Modem und Telefonleitung Zugriff auf das Internet hatten - der Begriff wurde jetzt etabliert. Das USENET ist der Ur-Prototyp der heutigen Newsgroups, die sich über verschiedene Nachfolgenetze wie z.B. das FIDONET zu ihrem heutigen Erscheinungsbild gewandelt haben. (vgl. Münz: Entstehung des Internet)
Die folgende Tabelle beinhaltet noch einige andere Netze, was unter
anderem klar macht, dass das Internet nicht einfach ein Netz darstellt,
sondern den Verbund und die Gesamtheit vieler lokal eingerichteter Netzwerke
ausmacht. Es geht damit ebenfalls weit über das hinaus, was wir als
World-Wide-Web
kennen, mit dem die in der Tabelle aufgelisteten Hinweise auf Name-Server
zu tun haben. Das sind Rechner, die statt der ursprünglich langen
Zahlenketten, umgangssprachliche Begriffe wie Namen zur Adressierung, d.h.
zum Anwählen eines bestimmten Rechners umsetzen können. Diese
Entwicklung war neben dem Hypertext, den wir im WWW in Form von Links kennen,
mit entscheidend für den gesamten WWW-Boom, wie er sich seit 1992
ungebrochen fortsetzt. Aufgrund seiner auch heute noch offenen technischen
Strukturen gelten im Internet Informationsfreiheit und Dezentralität.
|
|
Ereignis |
|
1970 1972 1973 1974 1976
1983
1984
1987
1990
1993
1994 1995 2000 |
Inbetriebnahme
des ARPAnet
Inbetriebnahme des ALOHAnet Internationale Konferenz über Computerkommunikation Erste internationale Verbindung zum ARPAnet: England und Norwegen "A protocol for a Packet Network Internetworking", Details zur Entwicklung von TCP UUCP (UNIX-to-UNIX CoPy) wird entwickelt THEORYNET wird in Betrieb genommen Das USENET verwendet UUCP zwischen Duke und UNC BITNET geht online TCP und IP werden als Protokoll für das ARPAnet eingesetzt EUnet (European UNIX Network) geht online Der erste Name-Server wird entwickelt ARPAnet teilt sich in ARPAnet und MILNET EARN (European Academic and Research Network) nimmt den Betrieb auf Das FidoNet entsteht DNS (Domain Name Server) wird vorgestellt Das NSFNET entsteht Das Freenet Cleveland geht online NNTP (Network News Transfer Protocol) wird entwickelt Es gibt über 10.000 Hosts Die Zahl der Hosts übersteigt 100.000 Die erste Schaltung zwischen einem kommerziellen Anbieter (CompuServe) und dem Internet Das ARPAnet stellt seinen Betrieb ein Internet Society wird ins Leben gerufen Das WWW wird vorgestellt Die Zahl der Hosts übersteigt 1.000.000 Das Weiße Haus ist per Internet erreichbar Internet Talk Radio nimmt den Betrieb auf Die UNO und die Weltbank gehen online Die Wirtschaft entdeckt das Internet Mosaik, der erste Internet-Browser, startet seinen Siegeszug Erstmal ist Einkaufen im Internet möglich WWW- Suchmaschinen entstehen Der "Internetboom" setzt ein Firmen und auch Privatpersonen besitzen in zunehmender Zahl einen Internetzugang ständige Zunahme der Nutzerzahlen in Deutschland (Januar: 12 Millionen / Oktober: 18 Mio.) über 3 Mio. Internetadressen mit der Endung .de für Deutschland, monatlicher Zuwachs: 200.000, davon 3/4 privat |
Homepages im World Wide Web sind der meist genutzte Dienst im Internet, der einen immer noch anhaltenden Aufschwung erlebt. Mit der Möglichkeit, zusätzlich zu reinem Text auch Bilder, bewegte Graphiken, Musik und Videosequenzen einzubinden, hat dieser Dienst an Attraktivität gewonnen und einen Wandel von der anfänglichen Nutzung und Vernetzung durch Universitäten hin zu kommerziellen Trägern erfahren. Für den Nutzer am häuslichen Personalcomputer bietet er den Einstiegspunkt in das Internet. Sämtliche andere Dienste können von hier aus über mit der Maus anklickbare Verknüpfungen (Links) aufgerufen werden. Homepages bilden eine Präsentationsfläche für Organisationen und Privatpersonen.
Universitäten und Internetanbieter gewähren ihren Studenten und Kunden heute in aller Regel auch die Möglichkeit, eigene Webseiten (Homepages) ins Netz zu stellen. Es stellt heute also kein Problem mehr dar, Homepages zu veröffentlichen, eher, sie im Netz auch bekannt zu machen. Hierbei helfen sogenannte Suchmaschinen, bei denen man die eigene Seite anmelden kann. Gibt ein Nutzer bei einem solchen Dienst z.B. das Suchwort Musiktherapie ein, erhält er eine Liste von Homepage-Adressen, die mit Musiktherapie zu tun haben. Eine zusätzliche Möglichkeit besteht darin, sich eine einprägsame Internet-Adresse zuzulegen. So hat sich z.B. die Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie die Adresse www.musiktherapie.de (de für Deutschland) registrieren lassen.
Bei Homepages handelt es sich zumeist um nicht interaktive Angebote, d.h. der Nutzer kann die Seite nicht verändern, nur der Betreiber. Dies bietet die Gewissheit, dass eine Homepage als Produkt unverändert bleibt und verweist z.B. einen Diskurs auf andere Dienste wie Newsgroups und Mailinglists (s. dort).
Noch vor ca. zwei Jahren erhielt man von den Internetsuchmaschinen auf den Suchbegriff Musiktherapie hin höchstens bis zu 80 Treffer, d.h. Angaben von Internetadressen. Dass sich einige Adressen dabei doppeln oder mehrfach angegeben werden, reduziert die eigentliche Trefferzahl auf noch weniger. Heute, im Oktober 2000, ist diese Zahl auf bis zu 3700 nur für den deutschsprachigen Raum angestiegen. "Tippt man music therapy beim englischsprachigen altavista.com sind es schon über 20000 Treffer" (Breitinger 2000b, S.253). Bei Ausschaltung der Mehrfachnennung von Adressen, die daher rührt, dass unterschiedliche Seiten ein und desselben Internetprojektes gefunden werden, lassen sich die einzelnen Zahlen (s. Tabelle) um etwa ein Drittel reduzieren. Der Anstieg innerhalb der letzten zwei Jahre bleibt dennoch enorm. Zusätzlich belegen die auf den Homepages von Instituten und Verbänden installierten Besuchszähler den regelmäßigen und steten Aufruf der Seiten.
(Oktober 2000)
altavista 3700
yahoo 20 (1 Kategorie)
fireball 2836
infoseek 3262
web.de 21 (1 Kategorie)
northernlight 3922
metager 106 (Zeitlimit und Trefferbegrenzung)
Den Homepages kommt ein wichtiger Überblickscharakter zu. Sie dienen der Bekanntmachung von Adressen, Telefonnummern und Terminen. Die Verbände weisen darüber hinaus auf Buchveröffentlichungen hin, während das Typische der Institute Informationen über Zugangsvoraussetzungen zum Studium bis hin zum Vorlesungsverzeichnis sind. Dem möglichen Vernetzungsdienst in Form von Links auf andere Musiktherapie-Seiten und vor allem auf Datenbanken und Mailinglists (s. dort) folgen inzwischen viele Einrichtungen. Nachdem die Institute für Musiktherapie in Hamburg und Heidelberg dieses redaktionelle Angebot in Form von sogenannten Linklisten dem aufwendigen Suchen im Netz gegenüber gestellt haben, sind andere diesem Beispiel gefolgt. Die Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie, die noch vor einem Jahr keinerlei Links auf Seiten außerhalb des eigenen Projektes bereitstellte, hat dies inzwischen auf einer gesonderten Seite, eben einer Linkliste, getan. "...Grad und Auswahl der Verlinkung sagen viel aus über das Selbstverständnis der anbietenden Institution" (Breitinger 2000b, S.254)
Insgesamt sind die Informationen der Musiktherapie-Institutionen und Verbände knapp gehalten, was ein Zugeständnis an das Medium und die Gewohnheit seiner Nutzer ist, in der Regel keine langen Texte während einer bestehenden Online-Verbindung lesen zu wollen (ganz anders als bei den interaktiven Diensten), für weitere Nachfragen sind aber zumeist die E-Mail-Adressen und/oder die Postanschrift mit Telefonnummer angegeben. Bis auf diese Kontaktmöglichkeiten handelt es sich also um nicht interaktive Dienste.
Es folgt eine aktualisierte Adressenliste der musiktherapeutischen Verbände,
Institute und Stiftungen, so wie der interaktiven Dienste Mailinglists
und Chat. Sie ist Bestandteil des Internetprojektes des Instituts für
Musiktherapie in Hamburg unter www.uni-hamburg.de/musikmed/links.htm
und von mir zusammengestellt (vgl. Breitinger 2000a, S.180). Darüber
hinaus gehende Angebote einschließlich privater Homepages findet
man auf den Seiten der Fachhochschule Magdeburg.
Institute
Hochschule für Musik und Theater Hamburg - Institut für Musiktherapie
Fachhochschule Heidelberg - Institut für Musiktherapie Universität Witten/Herdecke - Institut für Musiktherapie Westfälische Wilhelms-Universität Münster - Musiktherapie Fachhochschule Magdeburg - Studiengang Diplom-Musiktherapie Hochschule der Künste Berlin - Ergänzungsstudiengang Musiktherapie Fachhochschule Hamburg - Kontaktstudiengang Musiktherapie Freies Musikzentrum München Nordkolleg Rendsburg - Institut für Musiktherapie Fachhochschule Frankfurt (Link Weiterbildung)Verbände
World Federation of Music Therapy
Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie Music Therapy Webring MUTIG - Music Therapy Informationserver Germany American Music Therapy Association (AMTA) British Society for Music Therapy Canadian Association for Music Therapy Association for Training and Research in Music Therapy Association of Professionals and Students of Music Therapy of São Paulo State Stiftung zur Förderung der Nordoff/Robbins Musiktherapie Musiktherapie in Koreaandere Linklisten bei den einzelnen Instituten und Verbänden
Für den amerikanischen und internationalen Raum finden sich sehr umfangreiche Listen zum Thema Musiktherapie und angrenzende Disziplinen auf zwei privaten Homepages:
Dan Leopold's Homepage
Dirk Cashenberry's HomepageMailinglists & Chat
mt-research (internationale Liste für forschende Musiktherapeuten)
MUSTHP-L (internationale Liste für Musiktherapie-Interessierte) MT-PRO (internationale Liste ausschließlich für graduierte Musiktherapeuten) MusicTherapyENews (Newsletter der AMTA) Musiktherapie Diskussionsforum (deutschsprachiger Chat professioneller Musiktherapeuten)Leider bieten die Seiten des Music Therapy Informationserver Germany (MUTIG) ein eher trauriges Kapitel des Interneteinstiegs der deutschen Musiktherapie-Szene. Bereits zwei Monate nach der 4. Europäischen Musiktherapie Konferenz 1998 in Leuven/Belgien, waren die dort besprochenen Ideen einer Interpräsenz engagiert umgesetzt worden, im Juni 1998. Dazu gehören die oben aufgelisteten Seiten der World Federation of Music Therapy, die Mailinglist mt-research, die Startseite von MUTIG und der Music Therapy Webring, dem sich in diesen zwei Jahren erst zwei Institutionen angeschlossen haben. Genauer muss man wohl sagen, dass gerade mal zwei von den Systemverwaltern von MUTIG zugelassen worden sind. Dies beinhaltet nämlich zum einen einige Restriktionen, die sich auf die Gestaltung der angemeldeten Internetseiten auswirken, und zum anderen deutet einiges darauf hin, dass die Seiten von MUTIG nach ihrer Bereitstellung einfach vergessen wurden. So stehen heute, nach über zwei Jahren, immer noch fehlerhafte, nicht lesbare Seiten im Netz, die niemals korrigiert wurden, Anfragen und Anträge auf Beitritt zum Webring werden nicht beantwortet, eine Erneuerung oder sogenannte Pflege der Seiten findet nicht statt. Dabei sind die Ideen medienimmanent zukunftsweisend gewesen, gerade der Webring, und führen nun in diesem Bereich zu einem Entwicklungsstau.
Dies relativiert auch bereits die oben zusammengestellte Linkliste.
Vordergründig verspricht sie zunächst seriöse Information
zum Thema Musiktherapie, doch weitergeforscht, sprich angeklickt entpuppt
sich der angesprochene Bereich als leere Hülle (die Links bleiben
dennoch in der Liste erhalten, weil sich die bestehenden Gerüste sicher
wieder aktivieren lassen).
Datenbanken sind im Netz selbst nicht sichtbar, können aber von einer Homepage aus über Schlüsselwörter nach bestimmten Kriterien abgefragt werden, so dass ein Anwender nur die für ihn relevanten Informationen sehen kann. Die bekanntesten Datenbanken verbergen sich hinter Suchmaschinen, die riesige Listen von Internetadressen verwalten. Vielfältige digitalisierbare Informationen lassen sich in Datenbanken ablegen: Adressen, Bilder, Texte, Musik etc. Häufig vorkommende Datenbanken sind Buchkataloge bei Online-Buchversanden, Bibliotheksverzeichnisse, Telefonbücher, Adressenverzeichnisse und Lexika.
Im Musiktherapiebereich sind hier Adressenverzeichnisse von Ausbildungsinstituten und TherapeutInnen, Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen denkbar. Datenbanken bilden somit einen umfangreichen Ressourcenpool für wissenschaftliche Literatur und Forschung, die zwar nicht als komplette Werke, wohl aber in Form von Abstracts vorliegen können.
Folgende Datenbanken lassen sich über die angegebenen Homepages abfragen. Es besteht die Möglichkeit über Autor, Titel oder ein Schlüsselwort nach Veröffentlichungen zu suchen. Die Suchergebnisse gelten hauptsächlich für den amerikanischen Raum.
CAIRSS for Music (Computer-Assisted Information Retrieval Service System)
CAIRRS beinhaltet Artikel zu Musikpädagogik, Musikpsychologie, Musikmedizin und 2030 Einträge zur Musiktherapie.UnCover
Mit über 8 Millionen Einträgen ist UnCover die größte der aufgeführten Datenbanken. Es lassen sich allerdings weniger Einträge zum Suchbegriff Music Therapy finden als in CAIRSS. UnCover ist ein kommerzieller Dienst. Die Suche nach Einträgen ist kostenlos. Gegen Bezahlung kann man sich innerhalb von 24 Stunden komplette Zeitschriftenartikel zufaxen lassen.
Obwohl auf der Startseite nicht ausdrücklich erwähnt, kategorisiert
MuSICA (Music & Science Information Computer Archive)
relevante Einträge auch unter Musiktherapie. MuSICA verwaltet Abstracts zu Zeitschriftenartikeln.Eine Datenbank etwas anderer Art ist die
Clinical Training Information Database
an der Tennessee Technological University. Hier lassen sich für die Vereinigten Staaten neben Ausbildungsinstituten auch Kliniken und andere Einrichtungen abfragen, die MusiktherapeutInnen anstellen. Ein besonderer Service für StudentInnen ist die Suche nach freien Praktikumsplätzen.Es fällt auf, dass keine Datensammlung zu Buchveröffentlichungen
angegeben ist. Möglicherweise möchte sich niemand die Arbeit
machen, da man diese bei Online-Buchkatalogen bereits finden kann. Andererseits
wäre eine gut eingeteilte musiktherapeutische Bücher-Datenbank
mit Abstracts sicher komfortabler. Die American Music Therapy Association
hat die Norm Goldberg Library ins Leben gerufen, zu deren Erstellung Privatpersonen
Abstracts schreiben können. Sicher wird sie dann auch in digitaler
Form vorliegen und somit für das Internet weiterverarbeitbar sein.
(Postman 1998, S.37)
Obwohl E-Mail nichts anderes als elektronische Post heißt und der Briefkasten dazu ebenfalls analog dem realen mailbox genannt wird, stellt das E-Mailing nicht einfach nur die Umsetzung eines analogen auf ein digitales Medium dar. Selbst in seinen Anfängen, als die Ähnlichkeit noch größer war, bildeten sich bereits neue typische Umgehensweisen, die sich auch heute noch in sogenannten Emoticons (zeichenhafte zur Seite gedrehte Symbole für Gefühlszustände wie z.B. :-) ;-) :o) :-o ) oder ASCII-Kunst (Bilder aus Tastaturzeichen) ausdrücken. Zunehmand hat sich die rein textbasierte Technik allerdings gewandelt. Heute können wie auf WWW-Seiten Bilder, Musik und Links in eine Mail aufgenommen werden.
E-Mailing ist ein Dienst, der außer bei Mailinglists an der Internetöffentlichkeit vorbei geht, d.h. die Inhalte werden im Netz nicht für andere sichtbar. Zusätzlich kann die Übertragung solcher Daten verschlüsselt werden. Ebenfalls wichtig ist die Möglichkeit, beliebige Dateien als attachment (Anhang) mit zu versenden.
Für den Musiktherapeuten bietet sich die Möglichkeit, mit Kollegen und Mitarbeitern, die geographisch weit entfernt sind, in einen Austausch zu kommen. Ein Beispiel: Ralph Spintge (persönliche Mitteilung) stand bei der Entwicklung der CD Musik und Gesundsein mit einem chinesischen Komponisten über E-Mails in Kontakt. Dr. Spintge entwickelte Graphiken und Diagramme, die dem Komponisten per Attachment zugesandt wurden. Nachdem dieser erste musikalische Vorschläge entwickelt hatte, schickte er sie in Form von digitalisierter Musik (MIDI-Datei) zurück. Dr. Spintge hörte sich die Komposition an, sandte wiederum seine Verbesserungsvorschläge und so weiter hin und her bis zur Fertigstellung der CD.
Wichtig ist der E-Mail-Dienst, weil er die technische Grundlage für
Newsgroups und Mailinglists bildet, hier allerdings wieder in der rein
textbasierten Form ohne Grafiken und Musik.
Newsgroups sind eine Kommunikationsform, die der eines Schwarzen Brettes
entspricht. Ein Teilnehmer hat das Anliegen, eine Nachricht zu publizieren,
er stellt eine Meinung zur Diskussion oder sucht Hilfestellung. Die Nachricht
ist an keinen speziellen Empfänger gerichtet, sondern an alle Teilnehmer
der Newsgroup. Technisch gesehen ist es für eine enorm große
Zahl von Internet-Nutzern möglich, diese Nachricht zu empfangen. Der
Empfängerkreis wird aber durch das vorgegebene Thema der Newsgroup
reduziert auf diejenigen, die sich für dieses Thema interessieren
und durch Suche oder mittels Links (Verweisen) auf z.B. Homepages darauf
stoßen. Viele Internet-Anbieter, aber vor allem Universitäten
stellen ihren Kunden bzw. Studenten den direkten Zugang zu den unzähligen,
letztendlich in acht große Gruppen eingeteilten Newsgroups über
einen Newsgroups-Server (parallel zum Internet-Server, also nicht identisch
mit ihm) zur Verfügung.
| Gruppen (big eigths) | Themengebiet |
| comp
sci soc talk news misc rec humanities |
Computer
(=science) (Natur-)Wissenschaften (=social issues) Gesellschaft (=talking) Belange Newsgroups betreffend (=miscellaneous) Vermischtes (=recreation) Freizeit, Hobbys etc. Geisteswissenschaften |
| zusätzlich
alt |
(=alternative) für alles, was nicht in die 'Großen Acht'-Gruppen passt, bzw. dort nicht zugelassen wird |
Unterhalb dieser Gruppen und inzwischen auch alternativ zu ihnen gibt es Tausende von Untergruppen bis hin zu ganz speziellen Themen wie z.B. eine Newsgroup im Bereich Musik, die nur eine einzige Band oder einen Interpreten behandelt (z.B. rec.music.artists.paul-mccartney).
Die folgende Graphik zeigt die Kopfzeilen (Titel) von Nachrichten aus einer Psychotherapie-Newsgroup. Der Teilnehmer sieht diese, nachdem er die Newsgroup ausgewählt hat. Möchte er eine der Nachrichten lesen, klickt er einfach auf die Kopfzeile und der Nachrichtentext erscheint. Der Teilnehmer kann auf die Nachricht öffentlich antworten, indem er selbst eine Nachricht an die Newsgroup sendet, oder privat an die persönliche E-Mail Adresse des Schreibers, die stets mit angegeben ist.

Re: bedeutet Response und weist darauf hin, dass es
sich bei dem Beitrag um eine Antwort auf einen früheren Beitrag einer
anderen TeilnehmerIn handelt
Es sei kurz etwas zu den Regelungen gesagt, die sich um die Einrichtung von Newsgroups drehen. Die Recherchen wurden über den News-Server der Universität Hamburg durchgeführt und beschränken sich auf deren Angebot von Newsgroups. Aussagen über das Bestehen von musiktherapeutischen Gruppen kann ich nur innerhalb dieses Rahmens treffen. Ob es entsprechende Gruppen in anderen Ländern gibt, kann von hier aus nicht überprüft werden, da diese nicht weltweit zugänglich sind.
Die Einrichtung einer neuen Newsgroup ist entscheidend davon abhängig, ob in schon bestehenden anderen Newsgroups über ein Thema in solchem Umfange diskutiert wird, dass es die gesonderte Bereitstellung einer neuen Gruppe z.B. zum Thema Musiktherapie rechtfertigt. Umfangreiche Recherchen in Musik-, Psychotherapie-, Psychologie-, Kunsttherapie- und Geisteswissenschaft-Newsgroups haben jedoch ergeben, dass musiktherapeutische Themen dort nicht behandelt werden. Letztendlich lässt sich aber auch diese Feststellung nur mit der Einschränkung aufrecht erhalten, dass es einem einzelnen Menschen unmöglich ist, die Masse der Nachrichten zu überschauen und zu durchleuchten.
Die Bereitstellung einer neuen Gruppe geht grob gesagt folgenden Weg: Jede Person kann einen Antrag beim Systemverwalter der Newsgroup news.admin.newgroups stellen. Diesem fügt er ein Proposal (Vorschlag) bei, wie die Gruppe heißen soll, wo sie in der Hierarchie aller Newsgroups angesiedelt werden und wer dort worüber diskutieren soll. Der Antragsteller muss daraufhin sein Anliegen gegenüber einer Gruppe von Teilnehmern, die sich an oben genannter Gruppe beteiligen, verteidigen. An dieser Stelle ist das stärkste Argument der oben angesprochene Nachweis, dass in schon bestehenden Gruppen bereits so viel über das Thema diskutiert wird, dass es den Rahmen der bestehenden Gruppen sprengt (es muss sogenannter traffic = Verkehr nachgewiesen werden). Die Teilnehmer stimmen anschließend über den Antrag ab und der Systemverwalter richtet die neue Gruppe je nach Ausgang der Wahl ein oder auch nicht. Diese Prozedur benötigt durchschnittlich 3 Monate.
Bisher gibt es keine Musiktherapie-Newsgroup unter den 'big eights'. Musiktherapeutische Themen müssten sich also zunächst in anderen Gruppen etablieren, bevor eine neue Gruppe wie sci.psychotherapy.musictherapy oder humanities.music.musictherapy denkbar ist. Dort könnten sich dann die TeilnehmerInnen zunächst zu allen erdenklichen Themen im Zusammenhang mit Musiktherapie äußern und, wenn die Zahl der Nachrichten entsprechend zugenommen hat, wiederum den Antrag auf Untergruppen zu spezielleren Themen stellen (z.B. sci.psychotherapy.musictherapy.nordoff-robbins oder humanities.music.musictherapy.research).
Die Einrichtung von alt.-Untergruppen - wir erinnern uns, alt steht für alternative -geht dagegen wesentlich einfacher vonstatten. Oft genügt eine Anfrage mit kurzer Begründung bei einem Systemverwalter. Was der neuen Gruppe dabei ein Stück verloren geht, ist die ihr zugeschriebene Seriosität. Ein Manko, das sich mit der Zeit aufgrund der Beiträge und Inhalte relativieren kann. Tatsächlich gibt es inzwischen eine kürzlich eingerichtete newsgroup mit der Bezeichnung alt.music.therapy. Auf Anfrage über Einrichtungsdatum und Urheber der Newsgroup erhielt ich die Antwort, dass es sich nicht um Musiktherapie, sondern um die Musik der irischen Popgruppe Therapy dreht. Nichtsdestotrotz handele es sich um eine Gruppe, die inaktiv ist, d.h. in der so gut wie nichts gepostet wird: "Alas, this NG [newsgroup Anm. DBF] has proved about as popular as a pork pie at a Jewish wedding." (Ferg in der newsgroup alt.music.therapy am 8.10.2000)
Dies beschreibt, was technisch machbar ist. Es muss an dieser Stelle
aber auch gefragt werden, ob es Sinn macht, eine Form des Austausches zur
Verfügung zu stellen, wenn nicht klar ist, ob sie auch mit Inhalt
gefüllt wird oder vielleicht die Notwendigkeit nicht gegeben ist,
weil dieser Austausch wie wir sehen werden bereits andern Orts stattfindet
oder das Bedürfnis, auf diese Art und Weise zu kommunizieren nicht
besteht. Wir würden dabei nämlich Gefahr laufen, die leeren Formen
mit ebenso leerem unbedeutendem Inhalt zu füllen, nur weil die Möglichkeit
besteht, überhaupt etwas hineinzuschreiben und somit zu der viel beklagten
(Pseudo) Informationsflut beitragen. (s.a. Kapitel Kritik Internet)
Mailinglists können in ihrem Erscheinungsbild und ihrer Bedienung
den Newsgroups sehr ähnlich sein. Das hängt vom Mailprogramm
des Teilnehmers ab. Kann das Programm Verknüpfungen anzeigen (s. Newsgroups)
und Mails danach ordnen, unterscheidet sich das Erscheinungsbild kaum.
Andernfalls listet das Mailprogramm die Beiträge rein chronologisch
auf nach dem Zeitpunkt, zu dem sie bei der zentralen Adresse eingegangen
sind. Der Anwender muss sich aus dieser Chronologie die zusammengehörenden
Mails anhand ihres Betreffs heraussuchen. Gegenüber den Newsgroups
liegt der Unterschied lediglich in der Art wie die Beiträge zum Anwender
gelangen. Sie werden über den E-Mail-Account zugestellt. Wer eine
Mail schreibt, schickt diese an die zentrale Adresse der Mailinglist, wo
sie automatisch vervielfältigt und an jedes Mitglied weitergeleitet
wird. Beim Anwender entsteht so der Eindruck eines Schwarzen Brettes, das
es als solches gar nicht gibt und das doch jeder Teilnehmer lesen kann,
weil es ihm auf seinem PC bereitgestellt wird.
Die erste musiktherapeutische Mailinglist wurde 1995 von Chris Saemisch und Dirk Cushenbery an der Universität von Kansas installiert. Sie war und ist heute noch offen für alle, die sich für das Thema Musiktherapie interessieren und sich beim Listen-Verwalter anmelden. Ein Jahr später legte Cushenbery eine Analyse des ersten Jahres der Mailinglist vor, die er mit den Worten beginnt: "In the same way that the invention of the printing press and telephone changed the way society interacted, so today the internet provides a new form of media which allows for new types of communication with one another through time and distance" (Cushenbery, S.1). Darin klassifiziert er die 743 Postings der 203 Teilnehmer des ersten Jahres in elf Kategorien:
Test-Mails (zur Überprüfung der technischen Seite nach erfolgter Anmeldung)
Diskussion über musiktherapeutische Veröffentlichungen
Anfragen nach Unterstützung (nicht studium- oder ausbildungsbezogen)
Antworten darauf
Studien- und Ausbildungsfragen
Antworten darauf
Mailinglist-Administration
Job-Angebote
Flames (verbale Angriffe auf andere Teilnehmer, Flames sind stets unerwünscht,
kommen aber dennoch immer wieder vor)
Diese sind heute noch gültig, da sich die Nutzung der Mailinglist
kaum verändert hat, sondern vielmehr aus Wiederholungen besteht. Neue
Teilnehmer kommen mit ähnlichen Anliegen, die andere bereits früher
geäußert hatten, ein Merkmal, das Mailinglists mit Newsgroups
gemeinsam haben. Dieser Umstand wird in vielen Newsgroups durch eine vorgefertigte
Antwortliste, der Frequently Asked Questions (FAQ)
aufzufangen versucht. Neue Teilnehmer werden in die Pflicht genommen, vor
ihren ersten Postings die FAQ zu lesen, in der Hoffnung, dass sich einige
Fragen dann von selbst klären und nicht wiederholt in der Gruppe zur
Sprache kommen. In MUSTHP-L gibt es diese FAQ nicht. Obwohl solche Wiederholungen
auftreten, werden kaum Stimmen laut, die sich daran stören.
Bis zum September 1999 wurde in MUSTHP-L zuweilen Unmut darüber
geäußert, dass bestimmte Themen wie z.B. musiktherapeutische
Forschung nicht behandelt werden und auch nicht in Gang kamen, wenn ein
Teilnehmer dies zu initiieren versuchte (vgl Kategorien unter MUSTHP-L).
Aufgrund der Annahme, dass ein tiefergehender Diskurs nur unter ausgebildeten
Musiktherapeuten stattfinden könnte, entstand die Idee einer zugangbeschränkten
neuen Liste, die neben MUSTHP-L parallel laufen sollte. Kurz darauf richteten
Dirk Cushenbery und Michael Clark mt-pro ein, zu der sich auch bald rund
150 Musiktherapeuten anmeldeten. Zunächst gab es zusätzlich zur
Zulassung ausschließlich Professioneller auch noch die Einschränkung,
dass die Liste moderiert wurde. Das bedeutet, dass der Moderator alle Mails
liest, bevor sie an die Teilnehmer weitergeleitet werden und das Recht
hat, z.B. Flames auszusortieren. Nach kurzer Diskussion wurde diese Zensur
anfang 2000 wieder herausgenommen und die Liste ist seitdem unmoderiert.
Unter http://users.multipro.com/clark/mtpro/
sind eine Liste der Teilnehmer sowie Informationen zur Anmeldung einzusehen.
Die Beteiligung an dieser Liste ist bis zum Oktober 2000 deutlich zurückgegangen.
Es hat sich gezeigt, dass die Erwartungen, die zu ihrer Installation geführt
hatten, nicht erfüllt wurden, sondern die Inhalte und das professionelle
Niveau bald nicht mehr von denen in MUSTHP-L zu unterscheiden waren.
Die Geschichte der Mailinglist mt-research beschränkt sich auf
die Zeit von ihrer Entstehung im Juni 1998 bis zu den letzten Einträgen
im Januar 2000 mit insgesamt nicht mehr als dreißig Einträgen.
Auf Initiative des Research Round Table bei der 4. Europäischen Musiktherapie
Konferenz in Leuven/ Belgien vom 16.-18. April 1998 entstanden, wurde sie
kurz danach ausschließlich zur musiktherapeutischen Forschung ins
Netz gestellt. Um diesen Anspruch nicht zu gefährden, wurde die Liste
mit strengen Zugangskriterien belegt. Teilnehmen können ausschließlich
MusiktherapeutInnen, die forschend tätig sind. Eine eindeutige Weichenstellung
für wissenschaftlichen Diskurs. Doch in mt-research wird nicht diskutiert.
Von den 13(!) Beiträgen, die von Mai bis November 1998 in diese Liste
gestellt wurden sind 5 technischer Art zum Testen, ob die Liste funktioniert
und die Mails richtig verteilt werden, 4 behandeln die Vorstellung neuer
TeilnehmerInnen, 2 behandeln die Frage, ob eine interessierte, nicht forschende
Person als TeilnehmerIn zugelassen werden soll, ein Beitrag weist auf eine
Veröffentlichung hin und ein weiterer ist eine Kopie einer MusicTherapyENews-Meldung
zum neunten Weltkongress in Washington. Die Beiträge in den Jahren
1999 und 2000 bestehen aus Vorstellungen neuer Mitglieder, die sich daraufhin
nicht mehr geäußert haben, Bekanntmachungen zum neunten Weltkongress
und einem kleinen, drei Mails umfassenden Diskurs über Lebensqualität,
der erste und einzige, der je in mt-research geführt wurde. Aktuell
haben 14 Teilnehmer den Zugang zu mt-research gefunden, die offensichtlich
wenig Sinn darin sehen, sich gegenseitig an ihren Forschungsvorhaben teilnehmen
zu lassen. Seit September 2000 ist der Zugang kostenpflichtig, weil der
Anbieter psychotherapie.org, bei dem die Liste bereitgestellt wird, seine
Dienste nicht weiter unentgeltlich anbietet. Trotz der ernüchternden
Zahlen sei festgehalten, dass die Mailinglists am ehesten geeignet sind,
wissenschaftlichen Austausch im Internet zu ermöglichen, und mt-research
durch weitere Bekanntmachung auf den Homepages der Musiktherapie-Institute
und -Verbände reaktiviert werden kann.
Beim Chat (englisch für Geplauder, sich unterhalten) handelt es sich um die annähernd zeitechte (ohne Zeitverzögerung) Kommunikation zweier oder mehrerer Teilnehmer via Tastatur und Bildschirm. Jeder Teilnehmer, der zu einem bestimmten Zeitpunkt den virtuellen Chat Room aufruft, kann mitlesen, was ein anderer in diesem Augenblick schreibt, darauf antworten, was dann die anderen ebenfalls mitlesen können, oder einfach nur zusehen, wie die Diskussion (so es denn eine ist) vor ihren Augen abläuft. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit zu flüstern. Dabei unterhalten sich zwei Teilnehmer im Hintergrund des Chats, ohne dass die anderen diese Konversation mitlesen können.
Unter der Adresse http://groups.icq.com/HealthandMedicine/group.asp?no=1500719 hat Martin Kolek einen deutschsprachigen Chat für professionelle Musiktherapeuten eingerichtet, den er Musiktherapie-Diskussionsforum genannt hat (vgl. Kolek S.9). Bereitgestellt wird er auf den Seiten von ICQ ('I seek you'), einer Firma, die weltweit mehrere tausend Chats zu allen erdenklichen Themen anbietet und damit zu denen gehört, die diese relativ neue Form des Austausches massiv vorantreiben.
Im Musiktherapie-Diskussionsforum besteht die Absprache, sich einmal
wöchentlich zu einem bekanntgegebenen Zeitpunkt einwählen zu
können und dort auf andere Teilnehmer zu treffen. Die Terminabsprache
ist nötig, da die Nachfrage bisher noch nicht groß genug ist,
um davon ausgehen zu können, dass immer jemand online ist. Die Teilnehmer
unterhalten sich dort über ihre therapeutische Arbeit, stellen zuweilen
auch Fallbeispiele vor und geben sich gegenseitig Ratschläge. Offiziell
nehmen an diesem Chat sechs Personen regelmäßig teil. Die Registrierung
bei ICQ war allerdings über längere Zeit nicht möglich,
so dass sich weitere Musiktherapeutinnen dort nicht eintragen konnten.
An den Diskussionen selbst können sie sich dennoch beteiligen. Das
Musiktherapie-Diskussionsforum ist noch sehr jung, so dass sich Aussagen
über Nutzung und Inhalte aufgrund fehlender Erfahrungswerte noch nicht
machen lassen.
Ein noch junges Feld, das durch die Neuen Medien überhaupt erst durchführbar geworden ist, ist die Online-Therapie bzw. Online-Beratung. Angefangen von Lebensberatungsfragen bis hin zu Therapiesitzungen via Bildschirm findet man verschiedene Ausprägungen dieser Behandlungsform. Auch hier kommen die verschiedenen Internetdienste zum Einsatz, angefangen von der Kontaktaufnahme bzw. Anmeldung per Internetformular (WWW-Seite) oder E-Mail. Online-Therapien werden per E-Mail-Austausch durchgeführt und zuweilen durch Telefonate ergänzt. Bei der Anmeldng muss evtl. noch ein Fragebogen ausgefüllt werden, damit der Therapeut sich ein besseres Bild von seinem Online-Klienten machen kann. Es liegt nahe, dass musiktherapeutische Online-Therapien zur Zeit noch schwerlich durchzuführen sind, aber die Technik entwickelt sich weiter, so dass ich sie an dieser Stelle nicht ausschließen, sondern lieber in der Rubrik 'realistische Zukunftsmusik' ablegen möchte. Unter der Adresse http://userpage.fu-berlin.de/~rhinsch/links.htm#Online-Beratung finden sich einige Links zu Online-Beratungsstellen. Unter http://www.psychotherapie-beratung.de macht die Psychotherapeutin Gisa Kästele, ausgebildet unter anderem im Guided Imagery and Music (GIM) Verfahren, ihr Angebot.
Es gibt aber bereits Einzel- und Gruppentherapiesitzungen, bei denen
die Teilnehmer nicht in der Praxis des Therapeuten anwesend sein müssen,
sondern per Chat-Technik miteinander kommunizieren. Unter http://www.echonyc.com/~women/Issue17/public-colon.html
beschreibt Yvette Colon den Ablauf dieser 'Treffen'. Die Klienten sitzen
an ihren Rechnern, tippen ihre Anliegen ein und lesen die der anderen Teilnehmer
mit. Eine spezielle Chat-Technik bringt die Texte nach Thema sortiert,
also nicht unbedingt zeitecht auf die Bildschirme. "Die Leute enthüllen
ihre Probleme schneller, Hautfarbe oder Ethik haben weniger Einfluss auf
die Gruppengeschehnisse" (Colon zitiert nach der Süddeutschen Zeitung
vom 18.10.1998, s. Anhang oder unter http://psilab.educat.hu-berlin.de/newsticker/artikel.asp?nummer=429).
Die Frage tut sich auf, ob damit dann Probleme, die mit der jeweiligen
Hautfarbe und Ethik zusammenhängen, ebenfalls ausgeblendet sind?
Kritische
Auseinandersetzung mit dem Internet
(Johnson S.245)
Die Verbreitung des Internet scheint unaufhaltsam. Die Vorteile werden tagtäglich in Presse und Fernsehen dargelegt. Im nun folgenden Kapitel beschränke ich mich vornehmlich auf die bedenklicheren Aspekte, die das Neue Medium mit sich bringt. Mehr im Sinne einer Bewusstmachung denn einer grundlegenden Ablehnung (immerhin nutze ich dieses Medium selbst ausgiebig) will ich eine allgemeine Medienkritik sowie unbekanntere Seiten des Netzes der Netze anführen. Ich möchte dabei darauf abheben, dass neue Medien unsere Gewohnheiten verändern und wir nicht davon ausgehen können, 'einfach so weitermachen zu können wie bisher'.
"Wenn einmal eine neue Technik in den Kreis einer Gemeinschaft aufgenommen wird, durchdringt sie diesen Kreis, bis jede seiner Einrichtungen gesättigt ist" (McLuhan S.272). McLuhan schreibt Medien allgemein eine große Macht zu, Veränderungen herbeiführen. Er führt dabei unter anderem den sich wandelnden bzw. verschwindenden Tauschhandel mit Erfindung des Mediums Geld an (vgl. McLuhan S.203f) oder auch die veränderten Lebensgewohnheiten mit Umstellung auf eine gemeinsame Zeitrechnung: Sie "schuf die abstrakte Zeit und brachte den Menschen dazu, nicht, wenn er hungrig war, sondern wenn 'Mahlzeit' war, zu essen" (McLuhan S.238). Das Auto und die Straßen veränderten das Bild der Städte und gaben ihnen einen neuen Stellenwert (vgl. McLuhan S.332f). Auch Neil Postman weist darauf hin, dass neue Medien einen denkbar großen Einfluss haben: "The telegraph [...] changed what we once meant by 'information'. Television changes what we once meant by the terms 'political debate', 'news', and 'public opinion'. The computer changes 'information' once again. Writing changed what we once meant by 'truth' and 'law'; printing changed them again, and now television and the computer change them once more" (Postman 1993, S.8). Alle diese Quellen führen außerdem aus, dass Medien unabhängig von ihrem Inhalt Wirkungen zeigen. Auf das Internet geschaut, gilt diese Aussage auf vielen Ebenen und die unterschiedlichen Internet-Dienste zeigen unterschiedliche Wirkungen. Das Internet stellt demnach eine Ansammlung verschiedener Medien dar. E-Mailing könnte zwar lediglich das Internet-Pendant zum handgeschriebenen Brief sein, tatsächlich ist das aber nicht so, denn mit dem E-Mailing wird schon aufgrund der Übertragungsgeschwindigkeit grundsätzlich anders umgegangen. E-Mails sind in aller Regel kürzer, direkter in der Ansprache, verlieren gegenüber dem Brief damit aber auch an Tiefe, Muße, Ausführlichkeit. Chats, Newsgroups und Mailinglists könnten tiefgreifende Diskussionen beinhalten, tatsächlich findet in ihnen aber mehr Small-Talk und Geplauder statt denn fachbezogener Diskurs. Die Dienste unterscheiden sich auch in der Anzahl der Menschen, die daran sinnvoll teilnehmen können. "Während etwa eine Mailingliste mit mehreren hundert Abonnentinnen und Abonnenten gut zurechtkommt, ist ein Chat-Channel mit mehreren Dutzend Gästen bereits überfüllt" (Döring S.137).
Ein weiteres wichtiges Merkmal des Internet betrifft unserere dabei im Grunde ausgeblendete Körperlichkeit. "Unsere elektrischen Ausweitungen von uns selbst umgehen ganz einfach Raum und Zeit und schaffen Probleme menschlicher Belange und Organisation, die es bisher nicht gab." (McLuhan S.166) Wir begeben uns geistig fort bis an andere Enden der Erde und kommen in Kontakt mit Menschen, die wir anders nicht kennenlernen würden, bleiben körperlich jedoch zuhause. "Diese genuin neue Qualität sozialer Interaktionen stellt unser bisheriges Verständnis von Körperlichkeit in Frage und macht soziale Prozesse der Wirklichkeitskonstruktion explizit" (Döring S.137). Wenn das Internet seinen Siegeszug fortschreiben sollte, wenn es tatsächlich so kommt, dass innerhalb zwei Jahren in jeder Schulklasse in Deutschland mindestens ein internetfähiger PC steht, dann ist dieser Aspekt in Verbindung mit der Zeit, die wir dann online verbringen werden, nicht zu unterschätzen.
Sherry Turkle weitet die Einflussbereiche sogar noch weiter aus: "Ein
rasant expandierendes System von Netzen, die in ihrer Gesamtheit als Internet
bezeichnet werden, verbindet Millionen von Menschen in neuen Räumen,
die unsere Denkweise, den Charakter unserer Sexualität, die Form der
Gemeinschaftsbildung, ja unsere Identität selbst verändern" (Turkle
S.9).
Hyperlinks - Segen und Fluch des Internet
Fünfzig Jahre vor der Entwicklung der heutigen Internet-Browser schrieb Vannevar Bush in seinem Artikel 'As we may think': "Die Summe menschlichen Wissens erweitert sich in einem ungeheuren Tempo, während die Mittel, die wir einsetzen, um uns durch das daraus folgende Gewimmel zu dem vorübergehend wichtigen Gegenstand hindurchzuschlängeln, die gleichen sind, die wir in den Tagen der vollgetakelten Großsegler benutzt haben" (Bush 1945 zitiert nach Johnson S.135). Aus diesem Gedanken heraus verfolgte er die Idee seiner Memex genannten Speicher- und Navigiermaschine. Ausgestattet mit einem unerschöpflichen Speichermedium für Texte und Bilder, das Bush sich damals noch in Form von Mikrofilm vorstellte, sollte es möglich sein, sich durch kluge 'Pfade', d.h. organisierte und vorgegebene Verknüpfungen, in der Masse der gespeicherten Informationen zurechtzufinden. "Das Memex-Gerät werde die Welt nicht mit den Augen eines Bibliothekars betrachten, nämlich als endlose Reihe von Exemplaren, die auf dem richtigen Regal gestapelt werden müßten. Es würde die Welt vielmehr so sehen wie ein Dichter: eine Welt voller Assoziationen,Vermischungen, Kontinuitäten. Und die Pfade würden dieses strahlende Universum zusammenhalten." (Johnson S.137) Bushs Pfade waren die erste Vorform der heutigen Hyperlinks, auch als Links oder Anker bezeichnet, und im Internet zu Tausenden und Abertausenden vorhanden. Entstanden aus der Idee, Wissen zusammenzuführen und zahlreich eingesetzt, einmal weil sie zum Internet dazugehören und darin spielerisch Rechner und Homepages auf der ganzen Welt verbinden, zum anderen weil sie auf weitere, das gleiche Thema betreffende Seiten verweisen können, was ein 'Zitieren' anderer Quellen sehr einfach macht.
Ohne Hyperlinks hätten WWW-Seiten nicht den Stellenwert, den sie heute haben, und ohne Hyperlinks wäre das Internet nicht so populär geworden wie es heute ist. Hyperlinks als grundlegendes Medium und 'Gerüst' des Internet machen aus den Texten, in denen sie eingesetzt werden Hypertexte und bewirken, dass wir sie ganz anders lesen als wir ein Buch oder Zeitungsartikel lesen. Bei jedem Link müssen wir entscheiden: Lese ich den aktuellen Text zu Ende, um seinen Gedankengängen, seiner Linearität folgen zu können, oder erlaube ich mir einen Abstecher zu einem anderen Text und hoffe, später nach der Rückkehr gedanklich am alten Inhalt anknüpfen zu können? Kann ich den aktuellen Text überhaupt verstehen, wenn ich nicht weiß, was sich hinter diesem Link verbirgt? Und so weiter. Textbezogene neue Medien verändern unsere Schreib- und Lesegewohnheiten. Der Hyperlink steht dem in nichts nach. Schon haben Literaten ihn als neue Kunstform entdeckt und E-Books (elektronische Bücher) ins Netz gestellt, in denen sie die Linearität einer Handlung völlig aufheben und es dem Leser überlassen, in welcher Reihenfolge er ihre Texte und ob er überhaupt alles liest. Die eigentliche Reibung des neuen Mediums mit den alten Lesegewohnheiten entsteht dort, wo Linearität gewollt ist, aber auf den Reiz des Neuen nicht verzichtet wird. So kann es zum häufig beobachteten Lost-in-the-net-Effekt kommen, dem sicher jeder Internetnutzer schon einmal aufgesessen ist und den Robert Breitinger so treffend bildhaft beschreibt: "Nach spätestens zehn, zwölf probeweise angeklickten und wenig bekömmlichen Vorspeisehäppchen ist einem der Appetit schließlich vergangen. Oder man hat sich schon vom zweiten oder dritten Snack in Versuchung führen lassen, ist zusehends von der eigentlichen Speiseplanung abgedriftet, dann wie weiland Odysseus durchs Mittelmeer ziemlich orientierungslos durchs Datenmeer gesurft und hat sich schließlich an Schweineschnitzel gütig getan. Und eigentlich wollte ich ja Pute. Doch das hatte ich sowieso längst vergessen." (Breitinger 2000b, S. 253)
Hyperlinks vereinigen beides in sich , die Kraft der Zusammenführung und die Kraft der Fragmentarisierung. Sie zersetzen den Text, in dem sie eingesetzt werden, weil sie uns auffordern, diesen zu verlassen und aus seiner Linearität herauszutreten - uns davon wegzuklicken- und sie rufen erläuternde andere Informationen auf, die den ursprünglichen Text erweitern. Steven Johnson lässt sich sogar zu einer Hommage hinreißen: "Bitten Sie einen beliebigen Internet-Benutzer, sich daran zu erinnern, was ihn überhaupt in den 'Cyberspace' gelockt hat; Sie werden höchstwahrscheinlich keine himmlische Beschreibungen herumwirbelnder animierter Grafiken oder eines dünnen, verzerrten Soundclips hören. Nein, das Aha-Erlebnis für die meisten kam, als sie zum allerersten Mal ein Link anklickten und sich irgendwo auf der anderen Seite des Planeten wiederfanden. Die Freiheit und Unmittelbarkeit dieser Bewegung - daß man sich ungehindert quer durch die Infosphäre von Homepage zu Homepage bewegen und Gedankenpfaden folgen konnte, wohin immer sie führen mochten - war vollkommen anders als alles, was davor gewesen war. [...] Die Internet-Links sind die erste bedeutsame neue Form von Satzzeichen seit Jahrhunderten" (Johnson S.128f).
Auch für das Betreiben der oben genannten Musiktherapie-Homepages
ergeben sich einige Konsequenzen aus dem zuvor gesagten. Es wurde bereits
bemerkt, dass der Grad der Verlinkung etwas über das Selbstverständnis
der Institution aussage oder doch wenigstens über die Autoren. Einerseits
zeigt das Weglassen jeglicher Links eine gewisse Verschlossenheit gegenüber
anderen Projekten, garantiert aber gleichzeitig, dass die Linearität
des eigenenen Angebotes nicht durchbrochen wird. Alle angeführten
Musiktherapie-Homepages sind überwiegend linear angelegt. Die einzelnen
Texte sind so geschrieben, dass sie von vorne nach hinten gelesen werden
sollen. Und tatsächlich finden sich auch wenig Links in den Texten
direkt. Die Öffnung für andere Angebote geschieht auf den gesondert
angebotenen Linklisten, die somit einen Ausgleich zwischen dem Wunsch nach
Linearität und dem nach Öffnung herstellen.
Internetsucht und Identitätsveränderungen im Netz
(Turkle S.264)
Die Berichte von Internetsüchtigen lassen erahnen, dass genau dasselbe Internet, das täglich in den Massenmedien verherrlicht wird, noch eine ganz andere Dimension beinhaltet. Da ist es nicht mehr der technologische Retter unserer Zeit, sondern erscheint als Sucht des Jahrtausends, denn es übertrifft sogar das Fernsehen, das uns schon geistig und seelisch fest im Griff hat.
(Young, S.23)
Die folgenden Ausführungen lassen sich nicht ohne weiteres auf die musiktherapeutische Internetszene übertragen. Sie stellen vielmehr eine allgemeinere Medienkritik dar, die extreme Auswirkungen auf die Identität von Internetusern, die sich dem Einfluss des neuen Mediums nur schwer entziehen können, behandelt. Sherry Turkle folgend lassen sich eher Vergleiche zu postmodernen gesellschaftlichen Entwicklungen ziehen, die wiederum indirekt Auswirkungen für die therapeutische Arbeit haben können. Und zwar auf Seiten der Klientel. Auch manch internetnutzender Therapeut mag den einen oder anderen Aspekt persönlich nachvollziehen können, der zumeist beim Einstieg in die Internetnutzung auftritt. Hier geht es um Menschen, bei denen sich diese Einstiegserfahrungen manifestieren und nicht wieder verschwinden. Es geht um Nicht-Aufhören-Können, virtuelle Beziehungen, Internetsucht, Zeitfallen und multiple Persönlichkeiten.
Der Begriff Internetsucht kommt in unserer Öffentlichkeit so gut wie nicht vor. Vor dem Hintergrund der Neuen Technik, die wirtschaftliches Wachstum und Topplätze auf dem Weltmarkt verspricht, werden negative Auswirkungen des Mediums tabuisiert. Das verunsichert bis hin zu Definitionsfragen, ob man überhaupt von Sucht sprechen darf, wenn Menschen stundenlang nicht vom Computer wegkommen, obwohl sie dringend Reales zu erledigen haben. Angestoßen durch Therapeuten in den Vereinigten Staaten, allen voran Kimberly Young, wird dieser Bereich zunehmend untersucht und Beratungseinrichtungen geschaffen. Eine Forschungsgruppe der Berliner Humboldt-Universität hat über 9000 Internetnutzer zu deren Lebens- und Surfgewohnheiten befragt. Zur Zeit läuft die vierte Befragungsrunde unter der Adresse www.internetsucht.de. Bisher kommt die Gruppe auf annähernd gleiche Ergebnisse für den deutschen Raum wie sie Young seit 1994 für die Vereinigten Staaten herausgefunden hat.
"Ganz oben auf der Liste der Dinge, die verloren gehen, wenn Benutzer internetsüchtig werden, stehen die Zeit, die man mit dem Partner verbringt, und die Erledigung der täglichen Aufgaben. Es folgt eine Top-Ten-Liste der am häufigsten erwähnten Aktivitäten, die unter exzessiver Internetnutzung leiden:
2. Täglich anfallende Aufgaben
3. Schlaf
4. Lesen
5. Fernsehen
6. Gemeinsam verbrachte Zeit mit Freunden
7. Sport
8. Hobbys [...]
9. Sex
10. Gesellschaftliche Ereignisse (Kino, Theater, Konzerte)"
(Young, S.64f)
Die Gewohnheit, sich in Chats, Foren und MUDs einen Fantasienamen zuzulegen, unter dem man für die anderen sichtbar wird, bringt die Möglichkeit mit sich, sich für die Beiträge, die man leistet, nicht verantwortlich zu fühlen und somit anders als in einer realen Face-to-Face Situation zu agieren, bis dahin, die eigene virtuelle Identität gänzlich anders auszufüllen als im wirklichen Leben.
Einige Beispiele aus Youngs Buch 'Caught in the Net' sollen die angesprochene Problematik verdeutlichen.
" Bob, ein 38-jähriger Automechaniker aus New Jersey, verliert sich in den Usenetgruppen des Internets. Den größten Teil seiner Freizeit verbringt er damit, Kleinanzeigen zu Themen zu lesen und zu beantworten, die von geschäftlichen Dingen und Politik bis hin zu Autoreparaturen und der Arbeit eines Barkeepers reichen. Wenn ihn seine Frau und seine beiden Kinder am Wochenende zu einem Campingausflug oder ins Kino mitnehmen wollen, sagt er, sie sollten ohne ihn gehen. Sein 13-jähriger Sohn Josh bettelt, sein Papi solle doch mit ihm in der Hofeinfahrt Basketball spielen. 'Siehst du nicht, dass ich beschäftigt bin?', schnauzt Bob ihn an. Bob war einmal so versunken darin, einem 'Freund' im Mittleren Westen einen Tipp für die Autoreparatur zu schreiben, dass er vergaß, seine elfjährige Tochter Tracy von der Schule abzuholen. 'Ich will ja gar nicht meine ganze Zeit auf diese Weise verbringen, aber ich kann nicht aufhören', seufzte Bob. 'Dies ist der einzige Ort, an dem meine Meinung zählt und ich mich wichtig fühle.'
[...]
Mary Lou betreibt von zu Hause aus in einer Kleinstadt in North Carolina eine Boutique. Daneben sorgt sie für ihre vier Kinder, die alle unter zwölf Jahren sind. Als spätabendliche Stammbesucherin der Internetchatrooms bleibt sie oft bis 5 Uhr früh wach. Sie kommt mit ihrer Hausarbeit, mit dem Kochen und ihrem Geschäft nicht mehr nach. Und über ihren endlosen Alltagsgesprächen mit ihren Chatroom-Freundinnen vernachlässigt sie ihren Mann und die Kinder. 'Ich habe ein schlechtes Gewissen, aber als ich versuchte, davon loszukommen, hatte ich einfach nicht die Kraft, den Computer auszuschalten und ihn auch ausgeschaltet zu lassen.'
[...]
Brenda war zehn Jahre lang mit Eric verheiratet. Sie vertrugen sich prächtig bis zu dem Moment, als Brenda die Chatrooms entdeckte. Jetzt verlässt sie den Computerraum nur, um auf die Toilette zu gehen oder sich etwas aus dem Kühlschrank zu holen, und wenn sie ins Bett geht, schläft Eric schon lange. Deshalb gibt es immer wieder Streit zwischen den beiden. 'Ich habe sogar versucht, ihn dazu zu bewegen, den Computer auch zu benutzen, damit dieser Kampf endlich aufhört, aber er wollte nichts davon wissen', erklärte Brenda. 'Er will, dass ich mit dem Internet aufhöre, aber dazu brauche ich es viel zu sehr. Wenn ich wirklich entscheiden müsste, würde ich es nicht aufgeben auch nicht ihm zuliebe.'
[...]
Tony, ein jungvermählter Bauarbeiter, eilt jeden Abend nach Hause, um online Ungeheuer und Drachen zu erschlagen und Widersacher im interaktiven Spiel DOOM-ll zu verprügeln.[...] 'Tagsüber bin ich ein sanfter Ehemann und fleißiger Arbeiter', erzählte Tony mir, 'aber abends werde ich per Knopfdruck zum aggressivsten Dreckskerl, den Sie sich vorstellen können. Und keiner weiß, dass ich das bin. Ich glaube, es verhindert, dass ich tatsächlich Menschen verletze - zum Beispiel meine Frau schlage. Mir macht das Angst. Ich brauche Hilfe dabei.'"
(Young S.24f)
Ein weiterer Aspekt tritt hinzu, der die Grenzüberschreitung zur virtuellen Welt vollkommen macht. Es gibt im Internet inzwischen sogenannte Agenten. Das sind Computerprogramme, die darauf programmiert sind, für den Anwender bestimmte Aufgaben zu erledigen, damit er sich in der Zeit um andere kümmern kann. Agenten können bei Online-Auktionen mitbieten, Flugtickets kaufen, Aktienkurse beobachten und vieles mehr, umgekehrt lassen sich damit aber auch die Surfgewohnheiten von Online-Kunden ausspionieren - ein Hauch von Big-Brother, der nicht zu unterschätzen ist (vgl. Johnson S.202). "In den MUDs genannten Online-Gemeinschaften trifft man häufig auf Computerprogramme, sogenannte Bots, die sich als Personen ausgeben. Da die meisten MUDs nur Text benutzen, um eine dreidimensionale virtuelle Realität zu simulieren, kann ein Softwareprogramm, das innerhalb eines MUD Text erzeugt, genauso real erscheinen wie eine Person, die das gleiche tut" (Turkle S.137).
Wir können bald nicht mehr sicher sein, ob wir tatsächlich mit existierenden Personen kommunizieren. Diese Bots 'bestehen' den Turing-Test (s. Kapitel ELIZA) um einiges leichter, weil der Gegenüber nicht damit rechnet, mit etwas anderem als einem Menschen verbunden zu sein.